Motortuning und Zulassung zum Leichtkraftrad?!?

Lange habe ich nichts mehr am Projekt GlobetRoller gemacht. Er steht etwas vernachlässigt in der Werkstatt. Langsam bin ich aber kopfmäßig wieder frei genug, um weiter zu machen.
Nachdem ich die Tour mit diesem Roller nicht fahren konnte, habe ich einen Entschluss gefasst. Das Projekt wird, wenn möglich, ausgeweitet und ich setze mir KEINE Zeitbegrenzung, um in aller Ruhe und Geduld bauen zu können. Zum Schluss habe ich nämlich etwas geschludert bei den Elektrikarbeiten. Das muss ich also nochmals überarbeiten.
Anschließend steht die Probefahrt an und wenn diese erfolgreich verläuft geht das Projekt in die nächste Stufe.

Aktuell spiele ich mit dem Gedanken den Roller als Leichtkraftrad zuzulassen. Das hätte ein paar Vorteile. Offiziell darf der Roller dann schneller als 45km/h laufen, ich habe den vollen Versicherungsschutz, anständige Fahrzeugpapiere und die Erlaubnis auch Kraftfahrstraßen oder Autobahnen zu befahren. Auch wenn letzteres wenig sinnvoll ist. 60km/h Höchstgeschwindigkeit müssten also drin sein und sind auch kein Problem.

Für dieses Vorhaben habe ich mit meinem TÜV-Prüfer gesprochen. Wenn ich das machen will brauche ich ein Motortuning, eine Bremenprüfung, ein Abgasgutachten, ein beleuchtetes Kennzeichen hinten und eventuell eine Rahmenprüfung.

Motortuning: Um den Roller als Leichtkraftrad zulassen zu können, brauche ich zwingend mehr als 50ccm. Also will ich einen 75ccm Kopf draufbauen. Dazu brauche ich einen sogenannten Fuel-Controller, weil die originale ECU einen zu kleinen Regelbereich für die Kraftstoffzuführung hat. Mit neuem Endantrieb und Nockenwelle wird das Programm komplett.
Bremsenprüfung:
Diese sollte kein Problem darstellen, wie jeder weiß. Ich habe die vordere Bremse komplett auf eine 4-Kolben-Scheibenbremse umgebaut.
Beleuchtetes Kennzeichen: Naja, darüber müssen wir nicht reden.
Abgasgutachten: Das ist wirklich ein Problem, aber ich wusste das schon vorher. Die Kosten dafür liegen bei mindestens 1000€ und ich bin bereit das zu investieren. Problematischer ist, dass ich nach einem Motorumbau keinerlei Test machen kann, um abzuschätzen ob ich das Abgasgutachten bekommen werde oder nicht. Nach Recht muss ich mindestens Euro3 erreichen, was der Roller original auch hat, aber getuned? Schaffe ich es nicht sind 1000€ einfach weg. Harter Tobak! Ich hoffe jemand von euch hat einen Tipp für mich!
Rahmenprüfung: Hier liegt auch ein großer Fallstrick. Eine Rahmenprüfung ist nicht machbar. Entweder ich muss auf eine sauteuren Prüfstand, also Rütteltest, oder muss 2000km auf der Nordschleife nachweisen, mit einem ROLLER! Anschließend geht es zur Ultraschall- und Festigkeitsprüfung. Das ist also unrealistisch. Um diese Prüfung zu umgehen, darf die gesteigerte Motorleistung nicht höher als 140% der Originalen betragen. Jetzt ist nur fraglich, welches Tuningkit diese 40% mehr nicht überschreiten. Dazu muss ich noch recherchieren!
Tankvergrößerung: Zu einem Tankbauer muss ich dann auch noch. Mit 4,5l kommt man eh schon nicht weit und mit Motortuning…
Motorradführerschein: Den brauche ich dann natürlich, aber der ist eh schon in Planung.

Tipps und Anregungen sind herzlich willkommen! Ich hoffe auf eure Mithilfe!

16 Gedanken zu „Motortuning und Zulassung zum Leichtkraftrad?!?“

  1. Wenn du legal auf KFS und BAB fahren willst, muss der Roller wenigstens 61km/h eingetragen haben, aus versicherungsgründen wären aber 81km/h sinnvoller, auch wenn es die „Drosselklasse“ bei den 125ern nicht mehr gibt, haben die Versicherer bei den Tarifen da teilweise noch nicht nachgebessert. Ansonsten kann man in Sachen Versicherung kaum billiger fahren als mit einem LKR.

    Was das Abgasgutachten angeht: die Auflagen der Euro 3 sind relativ harmlos und können gründsätzlich mit einem guten AU-Gerät geprüft werden. Es spricht also nichts dagegen, den Roller vorher in eine KFZ-Werkstatt zu schleifen und einen Prüfzyklus mit dem AU-Tester zu machen. Das dürfte auch deutlich billiger sein als ein Gutachten, du musst halt eine Werkstatt mit ins Boot holen und dabei beachten, dass die wenigsten Motorradwerkstätten einen vollwertigen AU-Tester haben, denn für die AU-Krad langt ein relativ simpler Motortester.

    Was die Abgaswerte angeht, so sollten sich die dur 25ccm mehr nicht nennenswert verändern, vorrausgesetzt die Reuse ist ordentlich abgestimmt. Siehe mein Roter Baron, bei diesem habe ich den Hubraum verdoppelt, die Abgaswerte sind, dank sorgfältiger Vergaserabstimmung, jetzt aber besser als sie es im Originalzustand waren. Mehr Hubraum bedeutet auch nicht zwangsläufig mehr Verbrauch, vergiss nicht, dass du den Roller aktuell immer an der Leistungsgrenze fährst, nach dem Umbau jedoch nicht mehr. Das kann durchaus den Verbrauch senken.

    Das „Leistungsproblem“ kann man, wenn es nicht zu sehr über 40% Mehrleistung hinausgeht, ggf. durch eine Drosselung umgehen. Viertaktmotoren reagieren sehr empfindlich auf Restriktionen im Abgastrakt, entsprechend primitiv kann eine Leistungsreduktion ausfallen. Eine in den Auspuff gestopfte Beilagscheibe langt da u.U. schon … 😉

    Grundsätzlich: Hast du mal darüber nachgedacht, dass Fahrzeug in einem anderen EU-Land prüfen zu lassen und (kurzfristig) dort zuzulassen? Wurde er einmal in der EU zugelassen, so ist es relativ leicht ihn in Deutschland zuzulassen, da er dann nur noch eine reguläre HU/AU überstehen muss. Ich würde mich da mal mit einem englischen Rollertuner (PM fällt mir spontan ein) kurzschließen oder mit Stoffi in Österreich (der m.W. ettliche Umbauten über die Hintertür Tschechien legalisiert). Beide sind zwar grundsätzlich Vespaleute, aber nach meinem Kenntnisstand auch Automatikrollern gegenüber nicht abgeneigt.

  2. Eine weitere Idee die mir kommt: in einigen EU-Staaten ist es problemlos möglich einen 50er mit „offener Zulassung“ als LKR zu fahren, was wäre wenn man einen solchen Giggle besorgt und in Deutschland zulässt. Ich weiß von wenigsten einem Fahrzeug (NRG), dass auf diesem Weg legalisiert wurde. Trotz nur 49ccm, auch wenn das eigentlich nicht möglich ist, so kann wohl im Rahmen der EU-Zulassungen eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Wenn du dann einen solchen Giggle hast, dann ist es ja im Grunde nicht mehr so arg viel Stress deinen Tourer auf dessen Rahmen zu setzen und „nur“ die restlichen Umbauten eintragen zu lassen.

    Das einzige Problem dabei ist halt: erstmal finden, so ein Giggle ist noch seltener als ein „normaler“ …

  3. 2.000km auf der Norschleife?
    Die ist knapp unter 21km lang, 2.000km sind also „nur“ 96 Runden, machen wir 100 draus zur Sicherheit. Das ließe sich doch im Rahmen eines Slooowriderstreffens machen. Wir setzen uns mit Würstchen, Bier und einem Fass Benzin in die Box und jeder dreht ein paar Runden während die anderen sich ausruhen. 😉

  4. Also im Ausland läuft der Yamaha Giggle offen und das mit 5,2 PS + und so um die 80 km/h Also brauchst du dir um einen anderen Topf keine Gedanken machen. Da der offen die US Norm erfüllt sollte Abgas auch ab geharkt sein. Problem was mir in der Schweiz ein Fahrer sagte der Roller wird sehr Seitenwind empfindlich.

  5. US-Norm mag faktisch ausreichen, da die Abgasnormen dort erheblich strenger sind als bei uns, aber praktisch nützt es dir nichts. Nicht-EU-Norm = gar keine Norm, so die perverse Logik der Deutschen Behörden. Die ehemaligen Kollonialherren der Amis erkennen die Normen aber an. Sieht man immer wieder daran, wie viele relativ junge US-Karren mit britischen Papieren eingebürgert werden.

    1. Hallo Olaf,
      dein Link funktioniert leider nicht, ich denke aber du meins das Malossi-Kit mit 66ccm.
      Das hat leider den Nachteil von nur 66ccm und dass die ECU „gecheatet“ werden muss.

      Ich tendiere zum japanischen Kit, was deutlich durchdachter wirkt. Ob die Qualität stimmt, werde ich noch herausfinden. Es hat echte 75ccm und im Gegensatz zu Malossi keinen Fuelcontroller, sondern ein modifizertes Drosselklappengehäuse.

      http://jiangwayne.com/scooter/p_i.php?i=23
      http://jiangwayne.com/scooter/p_i.php?i=367
      http://jiangwayne.com/scooter/p_i.php?i=42

  6. Zitat: den Giggle gab es nie als 125ccm und diesen Motor

    Ohne die grossen eigenen Erfahrungen mit einem solchen Umbau zu haben: Das macht die Sache in der Tat nicht wirklich einfacher. Da wird kein Prüfing. mal so seinen Willi drunter setzen. Wie du schon sagst: Rahmenprüfung, Abgasgutachten etc.
    Ich glaube bei allem Enthusiasmus: So ein Projekt übersteigt den Kosten-Nutzen Faktor so dermassen, da muss man schon extremen Ehrgeiz und Willen haben das durchziehen zu wollen.

    Nur mal so überlegt: Wie wäre es einen 125er Roller oder höher – egal welcher Marke, das muss man recherchieren welcher Rahmen da am besten geeignet wäre: Diesen dann zu einem Giggle oder Art Giggle umbauen. Dann steht zwar in den Papieren ein völlig anderer Hersteller und Typ aber das wäre ja egal.
    Dann bräuchtest Du aber nur die Einzelteile wie Felgen, Reifen, Lenker usw. eintragen zu lassen, eben nur das was du vom Giggle übernimmst und nicht die teuren Nummern Rahmen und Abgasgutachten. Würde immer noch Geld kosten aber bei weitem nicht so viel.

    1. Ja, aber das wäre für mich nicht das Gleiche und nicht mehr mein Roller. Die Grundbasis soll eben der Roller sein mit dem ich schon so viel erlebt habe. Außerdem steckt da schon so viel Arbeit drin, das wäre eine Todsünde, das Projekt jetzt nicht fertig zu machen.
      Dass ich diesen Umbau finanziell und substanziell bis auf die Spitze treibe, ist mir schon klar. Von Nutzwert sprechen ich auch schon lange nicht mehr. Selbst bis zum jetztigen Zeitpunkt ist schon so viel Geld in den Roller geflossen, davon hätte ich mir schon einen neuen 125er kaufen können. Aber darum geht es mir nicht.
      Außerdem finde ich den Giggle nach wie vor einen guten Reiseroller. Wenig Verbrauch, gute Zuverlässigkeit, mit der flachen Sitzbank sehr bequem. Ebenso sind meine vorderen Fußrasten leicht anzubringen und er hat einen sehr niedrigen Schwerpunkt. Alle Nachteile, wie z.B. kleiner Tank, schlechter Geradeauslauf, etc., werde ich mit diesem Projekt angehen.

      Sinn oder Unsinn, das ist nicht Frage! Um Shakesbeer zu zitieren!

  7. Eben, über den Sinn braucht man bei sowas nicht zu diskutieren.

    Wie der Kunde, der bei uns im Betrieb einen B-Kadett restaurieren lies. Wert des Autos vorher: ~200€, Wert des Autos hinterher: ~6.500€. Restaurationskosten: 42.000€. Ja und? Sein Auto, seine Kohle, sein Sinn, nämlich die Rettung von Opas altem Kadett. So what …

  8. Ich kann das durchaus nachvollziehen 😉 Bin da nicht anders und werde oft genug für verrückt erklärt weil ich auch nicht ständig alles in Geldwerten messe. Es gibt Werte die man nicht einfach in einer Währung ausdrücken kann. Passt schon 🙂
    Manchmal allerdings bin ich trotzdem dankbar wenn ein Kumpel seine Meinung äussert weil man sich vielleicht doch zu sehr in Sentimentalitäten verloren hat. Ab und zu muss ich auch mal geweckt werden.

    Ich werde mal verfolgen wie es so weitergeht mit deinem Giggle. Interessant ist die Story auf jeden Fall.

    Bei mir ist mein neuer Chinakracher Cruiser Retro auch nun im Hause. Kam leider vor Arbeit noch nicht mal dazu den Karton auszuladen. Mit dem Teil soll es auf große Tour gehen und schon deshalb lauten die ersten Stimmen schon: Mit so einem Ding in die Alpen? Jaaaaaa!!! Genau mit dem.
    Erste Massnahme: Es wird ein zweiter Tank verbaut, komme ich auf ca. 11 Liter Spritvolumen. Damit kommt man dann schon mal eine Ecke weit. Wäre ich vernünftig, hätte ich mir dafür ein anderes Fahrzeug gekauft 🙂

  9. Übrigens: B-Kadett war mein zweites Auto. Sensationelles Teil gewesen. Viertürige Limo, relativ selten. Glanzschwarz gerollt vom Verkäufer. Im Kontrast mit den Chrom- und Aluteilen super Optik. Sah aus wie eine Gangsterlimousine.
    Auch diesen Menschen kann ich also irgendwie verstehen. Auch wenn 42000 Taler schon eine Hausnummer sind 🙂

  10. Du hättest den mal sehen sollen… das Auto hatte 14 Jahre Standzeit im Garten hinter sich, der war komplett faul. Sogar das Dach war durchgerostet und die Schweller so faul, dass wir erstmal eine Art Stützkäfig reinschweißen mussten um ihn hochheben zu können. Die Hinterachse blieb beim Aufbocken mit der Bühne buchstäblich am Boden stehen.
    Das waren allein fast 2.000 Stunden Karosseriearbeit, eigentlich ein kompletter Neubau. Danach dann eine komplette Revision der Technik, den Opa war damit sehr viel gefahren.

    Im Grunde also die gleiche Baustelle wie Chefes Giggle. Der ist ja auch klinisch tot gewesen nach dem Unfall in Italien. Die meisten hätten den Roller wohl weggeschmissen. Aber neu kaufen ist ja langweilig, das kann nun echt jeder.

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