6. Tagebuch (Wilder Balkan, 5600km, 22Tage, 50ccm, 2015)

Inhaltsverzeichnis

Seite 1
Planung und Vorgeschichte
Meine Ausrüstung
Danksagungen
Tourenvideo
Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4
Tag 5
Tag 6
Tag 7
Tag 8
Seite 3
Tag 19
Tag 20
Tag 21
Tag 22
Daten
Meine Kosten
Höhenprofil
Route
GPX-Datei (Track)
Mein Spritverbrauch
Grober Temperaturverlauf

Seite 2
Tag 9
Tag 10
Tag 11
Tag 12
Tag 13
Tag 14
Tag 15
Tag 16
Tag 17
Tag 18

 

 

9. Tag (Von Vampiren und Bären)
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Zurückgelegte Strecke: 264km

Früh um 0700 packten wir schon. Das Passfieber hatte uns erwischt. Im Schatten des Morgens fuhren wir das Tal hinauf. Die Luft war noch sehr kühl, aber die Sonne zauberte faszinierende Farben auf die Berge.

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Auf halber Höhe entstand eines meiner Lieblingsfotos.
Kurz vorher besichtigte eine Gruppe einen Wasserfall. Wir mussten sie während der Fahrt abklatschen und sie freuten sich darüber wie kleine Kinder.
Die Straße zog sich Serpentine um Serpentine nach oben, bis wir an einem Tunnel auf Passhöhe kamen. Außer dem Susten kenne ich keinen Pass, welcher so einen Tunnel hat.

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Auf Passhöhe gab es einen ganzen Jahrmarkt. Aber nicht wie bei uns mit Ramsch, sondern mit Käse, Schinken und Selbstgebranntem. Wir nutzten die Stände, um das entfallene Frühstück nachzuholen. Für mich gab es Käse und eine schöne große Baumstriezel.

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Die berühmten Kurven schlängeln sich ins Tal. Dem Stilfser Joch ähnelnd, aber ohne den übertriebenen Touristentrubel. Leider ist die Straßenqualität nicht besonders, das war bei der Transalpina besser. Insgesamt hat sie uns besser gefallen, als der berühmtere Transfăgărășan. Nichtsdestotrotz ist das ein klasse Pass, mit toller Aussicht und jeden Besuch wert!

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Björn kletterte 20 Minuten einen Berg hinauf. Peter und ich schauten uns den See an.

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Der Weitblick ist kaum zu toppen. Leider hatte es schon längere Zeit nicht mehr geregnet, darum waren viele Schwebeteilchen in der Luft.
Die Abfahrt wurde teilweise auf der letzten Rille gefahren. Parallel dazu kann man sich das Video zur Tour ansehen. Es war nahe am Maximum was für uns – bei diesen Straßenverhältnissen – möglich war. Mein Seitenständer und Björns Koffer hatten des öfteren Bodenkontakt.

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„Wie passend ist das!“, dachten wir uns unten an einer Tankstelle.
Der Doppelachser hatte nur 2 Räder. Pro Achse ein Rad diagonal versetzt, damit der Schwerpunkt passt. Wie man damit fahren kann ist mir ein Rätsel.

Glück hatte Peter, dass er selbst bemerkt hat, dass sich gerade einer seiner Koffer löste. Das Problem war schnell gelöst und wir konnten gegenüber an einem Trödelstand vorbeischauen. Björn hatte vor sich ein Fell zu kaufen. Die dort Ausgestellten waren ihm aber zu unmännlich. Ich glaube er stellte sich ein Bären- oder Tigerfell vor.

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Am Nordrand der Südkarpaten fuhren wir entlang, unserem nächsten Zwischenziel entgegen, welches Peters Traumziel war. In einem Fastfoodladen nahmen wir eine Kleinigkeit zu uns. Warnen wollen wir alle, die ähnliches vorhaben. Fastfoodbuden sollte man auf dem ganzen Balkan meiden. Dort gibt es ausschließlich Mikrowellenessen und richtige Restaurants sind nun wirklich günstig genug.

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Schloss Bran, das Neuschwanstein der Rumänen. Ich habe noch keinen besseren Vergleich gefunden. Gegenüber Neuschwanstein ist es nicht so fantastisch grandios, sondern mehr urig gemütlich. Der Mythos und Touristenandrang sind aber gleich. Ich möchte gar nicht wissen, was hier in der Hochsaison los ist.

Wer mehr wissen will, sollte das Sonderkapitel lesen.

Sonderkapitel

 

Schleunigst machten wir uns nun gen Osten auf:Rollertour2015-Tag009-F030
Schleunigst deshalb, weil das Wetter umschlug. Seit einer Woche hatten wir eine wahre Hitzewelle mit bis zu 35°C. Die Wetterfront, welche von Nordwesten an die Karpaten angerollt kam, verhieß jedenfalls nichts Gutes. Angehalten wurde nicht mehr und wir flüchteten so schnell wir konnten Richtung Osten.

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Mitten im Wald schlugen wir unser Camp auf. 5km waren wir auf einem Schotterweg in die Wildnis gefahren, fernab jeglicher Zivilisation. Heute Abend war es gut, dass Maik fehlte. Er hätte uns wegen möglicherweise vorhandener Bären die Hölle heiß gemacht. Himbären, Brombären, Klabusterbären…
Peter hatte noch eine Bierexplosion im Helmfach zu vermelden. Nachdem der Biersud aus Zelt und Schlafsack extrahiert wurde, war das Ganze fast noch trinkbar. Trotzdem stank sein Zelt schlimmer, als sein Besitzer nach einer durchzechten Nacht. Vielleicht war das der Grund, warum uns kein Bär besuchte.

Es gab eine Katzenwäsche im kalten Bach nebenan und anschließend eine warme Mahlzeit vom Gaskocher. Meine Notration bestand aus einem Asia-Nudelpack. Peter hatte eine Fischdose, welche perfekt mit seinem Bierzelt harmonierte. Kaum war das Essen vorbei, holte uns doch noch die Gewitterfront ein. Wir verschwanden in unseren Zelten.

 

10. Tag (Schlammberge und Grasebenen)
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Zurückgelegte Strecke: 327km

Gegen 0630 klingelte der Wecker. Viel hatte es nicht geregnet. Die Gewitterwolken hatten uns nur gestreift. Nach 1,5 Stunden waren wir zurück aus dem „Dunkelwald“ auf der Straße.

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Eine sehr schöne Landschaft erwartete uns. Die Straßen waren akzeptabel schlecht, mit geringem Verkehr und machten sehr viel Spaß.
Nach ein paar Käffern frühstückten wir aus einem Supermarkt, bis Peter die Apothekerin nebenan bemerkte. Das Bespringen selbiger durch die Fensterscheibe klappte nur bedingt gut. Zum Glück der schönen Frau.

Leider wurden die Straßen immer schlechter. Eine Bodenwelle spendierte Björn und mir sogar einen kurzen Freiflug. Die Stoßdämpfer schlugen krachend durch, aber alles hielt. Für die nächste Tour müssen wir die hinten Dämpfer mit stärkeren Federn ersetzen!

Kurze Zeit später hatten wir unser nächstes Ziel erreicht, die Schlammvulkane von Berca.

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Wer möchte kann dazu den Zwischenbericht lesen.

Sonderkapitel

 

Nach einer ausführlichen Begehung des Geländes, mit sehr viel Spaß, machten wir uns auf den Weg zur Bulgarischen Grenze. Aber diese war noch ein Stück weg und dazwischen lag noch weites Grasland der Eurasischen Steppe.

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Der Weg nach Süden war zuerst noch geprägt von den sanften Ausläufern der Karpaten.

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Später, Richtung Bukarest, konnten wir weites Grasland, stark bewirtschaftet, bewundern. Um die ganz schlechten Straßen zu meiden, wichen wir auf die großen National- oder Europastraßen aus. Aber auch die hatten ihre Nachteile, wie hier zu sehen. Sie sind stark befahren.
Maik meldete sich, dass er den Roller reparieren konnte und nun unterwegs ist. Er hat heute am Montag alle nötigen Ersatzteile in Sibiu bekommen und gleich eingebaut. Wir verabredeten Russe als Treffpunkt und Grenzübergang zu Bulgarien. Trotz unserer Trödelei, und dem Umweg zu den Schlammvulkanen, hatten wir noch einen Vorsprung vor Maik. Also suchten wir uns in Bukarest ein freies WLAN, surften, telefonierten mit der Heimat und quatschten fast 3 Stunden. Von Bukarest gibt es keine Fotos. Wir konnten kein hübsches Fleckchen finden und der Stadtverkehr war anstrengend.

Der Grenzübertritt bei Russe war stark eingeschränkt. Die einzige Brücke über die Donau war in desolatem Zustand und halbseitig gesperrt. Es kam zu kilometerlangen Staus und wohl deshalb war die Zollkontrolle mehr als lau. Aber die Zöllner lachten auch schon, als sie unsere Karawane sahen. 🙂
Beim Warten auf Maik, an einer Tankstelle, drehte Peter schon wieder durch. Nebenan gab es Kaffee, ausgeschenkt von einer hübschen Brünetten (Schnucki #52). An diesem Abend trank Peter ganze 4 Tassen Kaffee, bis sein linkes Auge das Zucken anfing…

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Maik suchte den kürzesten Weg nach Russe und so etwas kommt in Rumänien dabei raus.

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Aber auch das hielt ihn natürlich nicht auf und so trafen wir uns nach der Grenze, bei Einbruch der Nacht. Wir quatschten noch eine Weile, bis wir kurz hinter Russe unser Nachtlager aufschlugen, an einem Feldweg.

 

11. Tag (Wir wollen Meer!)
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Zurückgelegte Strecke: 273km

Wir schliefen recht lange, oder eher gesagt ich, bis 0930. Ich wollte einfach nicht aufstehen, aber solche Tage gibt es auch. Vielleicht lag das auch an der kalten Nacht und das wir gefroren hatten.Rollertour2015-Tag011-F001

Nachdem ich mich dann doch aus meinem Schlafsack gekämpft hatte, fuhren wir die leicht hügelige Landschaft entlang. Heute lag nichts Sehenswertes auf dem Weg und so ließen wir uns einfach treiben. Gefrühstückt wurde an einer Tankstelle ganze 1,5 Stunden lang. Danach war die Luft etwas wärmer und wir konnten unsere dicken Klamotten wegpacken.

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Teilweise erinnerte mich diese Landschaft an die Meseta Central in Spanien. Wir genossen das Fahren. Die Straßen waren wieder etwas besser, das Wetter super und Verkehr gab es nicht. Bulgarien wirkte auf uns fast wie ausgestorben. Es waren kaum Menschen zu sehen. Das steht doch in krassem Gegensatz zu Rumänien. Dort hatten wir das Gefühl, das ganze Land befinde sich im Aufbruch.

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Mittags kehrten wir in einem einheimischen Lokal, mitten im Nirgendwo, ein. Das Essen war grandios und jeder war begeistert.

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Die Vorspeise war Salat mit Schafkäse. Ich habe selten so frischen Salat gegessen. Die Tomaten waren saftig und sehr kräftig im Geschmack. Diese Sorte bekommen wir im deutschen Supermarkt nicht. Der Schafskäse war mild und schön cremig.

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Die Vorsuppe war ebenso gut, genau wie das Hauptgericht. Das fotografierte keiner, denn es schmeckte einfach zu gut.

Kurz danach fuhren wir durch Burgas einer Hafenstadt am Schwarzen Meer. Die Stadt liegt traumhaft um eine Bucht herum und ist bisher kaum touristisch erschlossen. Der ganze Tourismus Bulgariens konzentriert sich auf zwei Punkte. Den Sonnen- und den Goldstrand, weiter im Norden.

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Endlich hatten wir das Meer erreicht. Die Stimmung war klasse und jeder ließ sich in einer blödsinnigen Pose fotografieren. Hier zu sehen ist Peter mit dem „Schwulen Sieger“.

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Auch gut ist mein „Falscher Ikarus“, immer der Sonne entgegen.

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Maiks Damenknicks, war nur skurril. 🙂

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Natürlich wollten wir an den Strand und hatten großes Glück. Hier gibt es noch unberührte Strände ohne Hotelbunker und Massentourismus. An diesem schönen Fleckchen ließen wir uns nieder. Zuerst gingen wir ins Wasser, die Abendsonne und das kühle Meer genießen. Eine Wäsche mit Kernseife war natürlich auch noch drin. Björn fuhr anschließend für 60€ einkaufen. 60€ in Bulgarien für ein Abendessen mit Bier aus dem Tante-Emma-Laden, das muss man erst einmal schaffen!
Wir grillten auf dem Hobo Fleisch, aßen gemütlich und ließen die Seele baumeln. Als es kühler wurde, nutzten wir den Hobo als kleine Lagerfeuerstelle.

Eigentlich hatten wir vor einen halben Tag am Strand zu verbringen, bis wir den Wetterbericht für den nächsten Tag ansahen. Der Plan wurde sofort geändert und mit Maiks Handyvertrag, welcher ein Inklusivvolumen für ganz Europa hat, buchten wir uns ein Hotel für die nächsten 3 Nächte, direkt in Istanbul. Das Hotel war unglaublich günstig (19€ pro Nase und Nacht inkl. Frühstück) und war auf dem asiatischen Kontinent gelegen. Von dort konnte man in 2 Minuten zum Hafen laufen und sich in die Innenstadt, auf den europäischen Teil, übersetzen lassen. Klasse! Zwar waren es noch 370km bis dort hin, aber wir hatten uns vorgenommen, wenn wir schon durch die Innenstadt von Istanbul fahren, dann über Nacht. Der Verkehr ist dann deutlich ruhiger und wir wurden vor der Reise mehrfach gewarnt, den Verkehr in dieser riesigen Stadt nicht zu unterschätzen.

Wie so oft baute ich mein Zelt gar nicht erst auf. Ich hatte, bei den ganzen Stacheln von den Büschen Angst, mir meinen Zeltboden zu ruinieren. Leider fing es spät in der Nacht das Tröpfeln an. Ich schlug meine Plane um mich und schlief weiter. Glück hatten alle, die ohne Zelt geschlafen haben. Es blieb bei den paar Tropfen.

 

12. Tag (Türkische Wasserschlacht)
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Zurückgelegte Strecke: 377km

Ich hatte sehr gut geschlafen. Abgesehen von den paar Regentropfen am frühen Morgen, war das Meeresrauschen sehr wohltuend. Es machte riesigen Spaß direkt am Strand aufzuwachen.

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Nach 2 Stunden fuhren wir weiter. Der Himmel hatte sich schon zugezogen.

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Für Bulgarien habe ich kaum lohnende Ziele ausfindig machen können. Außer dem Meer schien nur noch Sozopol einen Aufenthalt wert zu sein. Das war einen Katzensprung von unserem Strand entfernt.

Mehr dazu in folgendem Sonderkapitel:

Sonderkapitel

 

Daraufhin verließen wir Sozopol und fuhren gen Süden.

Eine sehr schöne, leerstehende Kirche konnten wir im Vorbeifahren bewundern.Rollertour2015-Tag012-F014

Wir entschieden uns, die etwas längere Strecke an der Küste entlang und später durch den Nationalpark des Strandschagebirges, zu nehmen. Dies versprach landschaftlich interessant zu werden.

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Wir trafen auf der ganzen folgenden Strecke kein einziges anderes Fahrzeug. Sehr wenig Ortschaften, welche wie ausgestorben wirkten, unterbrachen die Naturidylle. Dieses Gebirge ähnelt einem Urwald, mit einer extrem schlechten Straße hindurch. Maiks und Peters Nerven waren nach 30km Holperpiste schon sehr strapaziert. Diese Armeetrucks, welche dort herrenlos parkten, boten eine kurze Abwechslung.

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Maik musste mal wieder seine Zündkerze wechseln. Wieder war eine verkohlt. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft das schon vorgekommen ist. Zusätzlich war sein Benzintank undicht und es tropfte auf den Auspuff. Ein wenig Panzerband löste kurzfristig das Problem.

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Das Wetter wurde schlechter und bald darauf fing es auch noch das Regnen an. Unsere Fahrt bestand nur noch im Ausweichen von Schlaglöchern und Wasser vom Visier wischen. Rasten konnten wir nirgends. Es gibt dort schlicht nichts außer Wald.

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Nun kam auch noch Nebel hinzu. Vom ästhetischen Standpunkt gesehen ist das ein sehr schönes Bild. Aber jeder Zweiradfahrer kann wohl erkennen, dass die Fahrt anstrengend gewesen sein muss.
Endlich, nach 60km bogen wir auf eine bessere Straße ab und hatten den Nationalpark hinter uns. Plötzlich sahen wir auch wieder andere Fahrzeuge, denn weit weg von der türkischen Grenze waren wir nicht mehr. An der letzten Tankstelle vor der Grenze schlugen wir uns mal wieder mit den Straßenhunden herum und vertankten die letzten LEV.

Zu den Problemen an der Grenze möchte ich gar nicht so ausführlich eingehen. Nur so viel:
– 2 Stunden Rennerei und Diskussion, weil die Roller keine Fahrzeugpapiere im eigentlichen Sinn haben.
– Einer meiner Koffer wurde durchsucht, die Machete nicht gefunden.
– Die Grenzpolice kostete mich 55€, statt wie im Internet angegeben 8€.
– Peter hat Schnücki #162 am Zollhäuschen entdeckt!
Das ist das letzte mal, dass ich mich bei der WGV versichern lasse. Alle anderen hatten keine Probleme, denn nur die WGV schließt zum Beispiel die Türkei aus der Versicherung aus.

Nachtrag: Inzwischen bin ich zur Generali-Versicherung gewechselt. Hier vor Ort ist ein Versicherungsvertreter, den ich persönlich kenne. Es gibt wohl kaum etwas Wichtigeres, als den persönlichen Kontakt, wenn es um Versicherungsfälle geht. Für nächstes Jahr konnte er sogar erreichen, dass in meiner Grünen Versicherungskarte Russland NICHT ausgenommen und mitversichert ist. Entgegen den normalen Vertragsbedingungen. Dafür zahle ich gerne ein paar Euro mehr im Jahr.

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Endlich geschafft!

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Nach diesem Marathon war schon Nachmittag und wir hatten Hunger. Also hielten wir am Straßenrand und kochten Spaghetti Bolognese. Diese Packung war vom Vorabend übrig geblieben.

Leider hatten wir erst 120km hinter uns gebracht und 250km lagen noch vor uns. Also auf die Maschinen, fertig, los!
Kurz nach dem Start fing es an, wie aus Kübeln zu schütten. So einen Platzregen hatte ich auf dem Roller noch nie erlebt. Die volle Strecke bis zum Anfang vom Großraum Istanbul brach die Welt für uns zusammen. Fotos und Videos gibt es nicht. Das war viel zu gefährlich für die Technik. Meine Regenklamotten hielten erfreulicherweise sehr dicht. Aber auch die konnten mich nicht retten. An einer Stelle war die Straße etwa 100m lang ~50cm hoch überschwemmt. Zu spät bemerkte ich das und fuhr mit voller Geschwindigkeit rein. Das Wasser stieg mir, durch die „Bugwelle“, in der Hose bis zum Knie. Björns Roller, mit dem per Lüsterklemme geflickten Zündkabel, ging gänzlich aus. An anderer Stelle schleuderten uns LKWs ganze Tsunamis entgegen und die Wassermassen schwappten in den Kragen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wie das kalte dreckige Wasser, innen an den Regenklamotten, hinunter läuft. Maiks Handy hatte anschließend einen Wasserschaden und das Display ging nicht mehr. Peter Blinkerrelais machte sich selbstständig und mir läuft heute noch das Regenwasser aus der Hose.

Aber wir schafften es und als wir in den Großraum Istanbul einfuhren, hörte der Regenguss auf! Der Verkehr in der Nacht war durchaus zu bewältigen, auch wenn wir schon müde waren. Schlimmer war eher die Verkehrsführung, die sich dort wohl wöchentlich ändert. Mein sehr aktuelles Copilot-Kartenmaterial konnte mich nicht adäquat leiten. Die Lösung war es, die Stadtautobahnen zu nehmen, um überhaupt noch am Hotel anzukommen. Da wir sowieso über eine der Autobahnbrücken mussten, um auf den asiatischen Teil von Istanbul zu kommen, war das auch nicht mehr so tragisch. Der asiatische Teil ist mit dem Europäischen, nur durch 2 Autobahnbrücken verbunden. Wenn man also rüber will, muss man eine dieser beiden Brücken nehmen, die Fähre oder das Flugzeug. Eine 3. Brücke befindet sich momentan im Bau, wird aber auch Autobahn werden. Da die Fähren über Nacht nicht fahren und die anderen Optionen nicht machbar sind, blieb nur die Autobahnbrücke.

Man kann sich als Deutscher gar nicht vorstellen wie riesig diese Stadt ist. Hätten wir uns nicht für die Autobahn entscheiden, wären wir noch stundenlang unterwegs gewesen. Die Autobahn war zwar voll, aber der Standstreifen breit. Auf diesen verzogen wir uns schnellstmöglich. Wobei es auf diesen Autobahnen keine Spurtrennung gibt. Der Standstreifen ist einfach ganz rechts, wo niemand fährt. Leider fing es jetzt wieder das Regnen an. Völlig durchnässt, checkten wir um 0100 Nachts ins Hotel ein und fielen in unsere Betten.

Gute Nacht!

 

13. Tag (Von Moscheen und Basaren)
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Zurückgelegte Strecke: 0km

Wer mehr über Istanbul und die Türkei wissen will, sollte den TürkeiReiseBlog von Thomas besuchen. Für viele Türkeireisende sind wichtige Informationen enthalten.

Der komplette 13. Tag ist ein Sonderkapitel zu Istanbul:

Sonderkapitel

 

 

14. Tag (Von Teppichen und Seidentüchern)Rollertour2015-Daten-Route-Tag014
Zurückgelegte Strecke: 0km

Der komplette 14. Tag ist ein Sonderkapitel zu Istanbul:

Sonderkapitel

 

15. Tag (Der zündende Funke fehlt)
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Zurückgelegte Strecke: 314km

Zeitig gingen wir zum Frühstück. Der frische Schafskäse war, wie jeden Tag, sehr gut. Nach dem Packen und Zahlen fuhren wir zurück auf die Autobahn. Die Maut wurde immer noch nicht erhoben, schließlich war es immer noch Feiertag. Kurz vor der Bosporusbrücke verlor Maik seinen Handschuh und die Wildsau fährt auch noch zurück, um ihn zu holen. Auf der Autobahn! Ich glaube manchmal vergisst er, dass er keinen 40-Tonner fährt, sondern einen 50er.
Nachdem das überstanden war fuhren wir stoisch die Strecke zurück, welche wir 3 Tage vorher gekommen waren. Ziemlich langweilig war das. Nach circa 100km verließen wir die Autobahn. Glück hatten wir mit dem Verkehr, welcher sich stark in Grenzen hielt. Besondere Vorkommnisse waren nicht zu verzeichnen, auch landschaftlich ist nichts erwähnenswert. Es war wiederum sehr heiß. Das machte müde, darum legten wir einige kurze Pausen ein. Und so fuhren und fuhren wir, bis kurz zum Grenzübergang bei Edirne. Von dieser Stadt aus fährt 2x in der Woche ein Autozug nach Villach (AT). Dies war ein Notanker für uns, falls etwas Gravierendes schiefgehen sollte. Da dies nicht der Fall war, konnten wir uns die 400€ teure Rückreise per Zug sparen. Geplant war ohnehin die Fahrt zurück per griechischer Fähre. Das ist die deutlich interessantere Strecke.

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Wir waren gut vorwärts gekommen und schon am Nachmittag kurz vor der Türkisch-Griechischen Grenze. Leider blieb Björn mit bekanntem Problem liegen. Wieder war es der Kabelbaum der Lichtmaschine.

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Er hatte sich am heißen Krümmer nicht sonderlich wohl gefühlt.

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Aber auch bei Maik gab es wieder Verluste zu verzeichnen. Hatte sich in Istanbul das Topcase verabschiedet, meldete sich nun der ganze Gepäckträger zur Rente an. Dieses Problem war aber in 10 Minuten erledigt, Björns nicht.
Er bastelte 3 Stunden am Roller, während wir anderen in der Dorfkneipe nebenan, einen Tee nach dem anderen schlürften. Das war bestes Unterhaltungsprogrramm für die anderen Kneipeninsassen. Endlich, kurz vor der Dunkelheit, konnten wir über die Grenze fahren.

Maik war verwirrt, warum wir denn über Edirne nach Griechenland fuhren. Es gab deutlich kürzere Routen. Das lag daran, dass wir ihm einen Wunsch erfüllen wollten. Die Familie seines verstorbenen Freundes wohnt in Metaxades und er hätte sie gerne besucht. Durch unsere Pannen, hatte er diesen Wunsch schon aufgegeben, wir anderen aber nicht. So freute er sich wie ein Schneekönig, als ihm unser Reiseweg bewusst wurde. Er rief sofort bei der Familie an, um uns anzumelden und so entschieden wir uns, noch bis Metaxades weiterzufahren. Die Luft hatte sich seit Istanbul abgekühlt, es war frisch geworden. Unser Ziel erreichten wir um 2130. Die gute Frau, welche uns erwartete, hatte sogar noch für uns gebacken! So aßen wir uns satt, ließen die Waschmaschine Marathon laufen und verschwanden dann aber schnell in unsere Schlaflager.

 

16. Tag (Gastfreundschaft und schöne Landschaften)
Rollertour2015-Daten-Route-Tag016Zurückgelegte Strecke: 133km

Als wir aufstanden, hatte die gute Frau schon einige Zeit in der Küche zugebracht und uns frisches Brot und Gepäck zubereitet. Das Frühstück war also gesichert und die Bäuche kurze Zeit später voll. Die Wäsche hingen wir in die Morgensonne. Als Dankeschön für Kost und Logis gingen wir mit unserer Wohltäterin einkaufen, auf unsere Rechnung. Das war Björns Idee, die wir alle klasse fanden. Wir kauften hauptsächlich teure und schwere Produkte, um sie möglichst gut zu unterstützen. Schließlich wollten wir ihr nicht auf der Tasche liegen.

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In der Stadt gab es einige alte und gut gepflegte Schätzchen zu entdecken. Nein, diesmal keine Frauen!

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Kleine japanische Pickups sind in Griechenland wohl sehr beliebt. Man achte auch auf die Kennzeichen. 🙂

Nach dem Einkauf liefen wir durch den Ort spazieren und besuchten auch den Friedhof, auf welchem Maiks Freund liegt. Der Ort an sich ist schön, aber etwas verfallen. Junge Leute gibt es keine, die Alten blieben alleine zurück. Leider ist in Griechenland die Landflucht extrem angestiegen, durch die Krise. Ein wenig trostlos, aber nicht freudlos, wirkte alles auf uns.

Rollertour2015-Tag016-F008
Das Mittagessen bestand aus einem Grill voller dicker Würste. Dazu gab es einen Tomatensalat, aus sehr aromatischen Früchten und einen kräftigen Krautsalat. Dazu wurde frische Paprika, Peperoni und zum Nachtisch Weintrauben und Melone gereicht. Wie man sieht, ließen wir es uns gut gehen!

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Maik wollte noch dieses bestimmte Beweisfoto.

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Am Nachmittag verabschiedeten wir uns von unserer phänomenalen Gastgeberin und waren zurück auf der Piste.
Bisher war ich als Letzter verschont geblieben, aber nun schlug auch bei mir das Essen der letzten Tage durch.

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Es folgte eine grandiose Bergstraße. Sie war nicht wenig befahren, sie war gar nicht befahren. Völlig für uns hatten wir dieses famose Stück Asphalt. Sie führt quer durch die Ausläufer der Rhodopen.

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Wir hatten diese schöne Landschaft nicht erwartet und waren positiv überrascht.

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Kurve um Kurve zog sich unser Weg durch die Hügel. Städte oder Ortschaften gibt es dort nicht, Tankstellen leider auch nicht.

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So kam es, dass ich liegen blieb. Peter spendete Sprit aus seinem Reservekanister, sodass ich bis zur nächsten Tankstelle fahren konnte. Maik und Björn waren schon vorausgefahren. Kurze Zeit später folgten wir, vorbei an einer kleinen Hütte, an einer unscheinbaren Kreuzung. In dieser Hütte, im Schatten, saßen zwei Polizisten, welche sich auf uns zu bewegten. Aber man glaubt es kaum, wir waren zu schnell für die Beiden und schon waren wir vorbei und weg. Ich merkte dann aber, dass der Weg zur nächsten Tankstelle wieder größer wurde. Also drehte ich um, und fuhr zurück. Vorbei an einem Schild, welches ich nicht lesen konnte. Diesmal ließen wir die zwei Polizisten links liegen, welche sich wiederum von ihrem Schattenplatz auf uns zu bewegten. Abermals waren sie aber nicht schnell genug und wir fuhren einen Berg hinauf zur Tankstelle. Dort wurden wir skeptisch beäugt. Wir dachten uns nichts dabei und tankten, schließlich ernten wir mit unseren schwer bepackten Fuffies oft Unverständnis und Erstaunen. Blöderweise mussten wir nun ein drittes Mal an der ominösen Kreuzung vorbei und mir schwante es schon. Die Polizisten wollten uns nicht abermals durch die Finger schleichen lassen und standen quer auf der Straße. Wir waren unbewusst in eine Sperrzone eingefahren. Das erklärt das unlesbare Schild und die skeptischen Blicke der Tankwärter. Nun hatten wir das Misstrauen der Polizisten durch unseren Zickzack-Kurs geweckt. Mir wurde schon mulmig, als ich den Pass und Unterlagen aushändigte. Aber sofort lichtete sich der trübe Gesichtsausdruck, welcher sich in fröhliches Lachen verwandelte, nach den folgenden Fragen:
Polizist: „Tourists?“
Bastian: „Yes!“
Polizist: „Why you are driving through the exclusion zone?“
Bastian: „Exclusion Zone??? To refuel! The scooters have little tanks!“
Polizist: „Are you married?“
Peter: „Oh God, NO!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“
Beide lachten, zeigten uns den Daumen hoch und winkten uns weiterzufahren. Ich glaube sie waren neidisch auf unseren Roadtrip. 🙂

Wir trafen die anderen Beiden an der nächsten Tankstelle wieder. Dort hielten wir uns noch eine weitere Stunde auf und genossen den milden Abend und schönen Sonnenuntergang. Ich wusch auch meinen Roller. Der ganze Straub aus Rumänien und Bulgarien musste runter.
Wenig später suchten wir uns ein Wildcamp mit den letzten Sonnenstrahlen. Jeder baute diesmal sein Zelt auf wegen der vielen Mücken. Das war auch gut so, denn mitten in der Nacht fing es das Regnen an und es wollte nicht mehr aufhören. Aber erst einmal holten wir uns eine Mütze voll Schlaf!

 

17. Tag (Licht und Schatten)Rollertour2015-Daten-Route-Tag017Zurückgelegte Strecke: 228km

Es regnete die ganze Nacht bis zum Morgen. Alle blieben im Zelt liegen. Ich frühstückte, schrieb Tagebuch und packte grob vor. Bis Maik plötzlich ohne Absprache zu Packen anfing, auf den Roller stieg und uns im Wegfahren zurief: „Ich fahre mal weiter bis zur nächsten Tankstelle!“.
Nun somit war auch irgendwie der Plan, den Regen im Zelt zu überdauern, passé. Ohnehin wäre das für Peter schwierig geworden, denn er hatte Seegang im Zelt. Also packten wir im strömenden Regen. Björn mussten wir erst überreden aus seinem Zelt zu kommen. Er scheut das Wasser wie die Katz den Hund.
Alles wurde pitschnass verpackt und wir begaben uns völlig durchnässt auf die Suche nach der nächsten Tankstelle. Dort fanden wir Maik und wenigstens standen wir nun im Trockenen. Nach einer Stunde Wartezeit und dem Abrufen des Wetterberichtes, entschlossen wir uns zur Fahrt im Regen. Außer Björn, er wollte an der Tankstelle warten, bis es das Schütten aufhören würde. Ob wir uns wiedertreffen würden war keinem so richtig klar, denn Björn hatte länger Urlaub als wir alle und spielte sowieso mit dem Gedanken, die Tour auf eigene Faust auszuweiten. Also verabschiedeten wir uns voneinander, pellten uns in die Regenkombis und fuhren Richtung Westen, der Küste entlang.
Maiks Zündkerzenvorrat war inzwischen erschöpft, also suchten wir Nachschub. Bei einem Yamaha-Händler wurde er fündig, während Peter und ich ganz andere Sonderbarkeiten entdeckten:Rollertour2015-Tag017-F001
Am liebsten hätte ich das 200ccm starke Gefährt sofort mitgenommen. Sogar eine automatische Kippfunktion für die Ladefläche ist integriert. Nachträglich habe ich herausgefunden, dass es sich wohl um ein Einzelstück handelt, welches für 2250€ regelrecht verscherbelt wird. Es ist aber anzunehmen, dass die TÜV-Abnahme so seine Tücken hätte. 🙂

Wenig später hörte der Regen auf und abrupt lachte uns dafür die Sonne entgegen. Wir nutzten die Gelegenheit zu einem Mittagessen in einem schönen Lokal am Meer. Wir wärmten uns in der Sonne und breiteten unsere nasse Ausrüstung auf den langen Mauern zum Trocknen aus.

Rollertour2015-Tag017-F002
Ich merkte, dass meine Seitenkoffer leider nicht ganz dicht sind. Da muss ich nacharbeiten! Dementsprechend viel Wäsche war aufzuhängen!

Rollertour2015-Tag017-F005
Das Essen war durch und durch mediterran, extrem gut und zudem günstig. Wir schlemmten 1,5 Stunden in voller Inbrunst.

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Vielleicht hielten wir es hier auch so lange aus, weil die Aussicht einfach grandios war. Was wünscht man sich nach zwei Stunden Regenfahrt auch mehr?

Hinterdrein packten wir und stiegen wieder auf unsere Böcke. Kaum zwei Minuten zurück auf der Hauptstraße entdeckten wir Wohlbekanntes im Rückspiegel:
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Er war wieder da!

Weitere zwei Stunden hatte er an der Tankstelle gestanden, bis der Regen aufhörte. Genau diese 2 Stunden brachten wir bei unserer Pause zu. So kam es, dass unser Timing wie so oft perfekt war und wir uns sofort wiederfanden. Alle waren froh, wieder in voller Stärke unterwegs zu sein und so setzten wir unseren Weg, die Küste entlang, gemeinsam fort.

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Später am Tag wurden wir zu einer Zwangspause gezwungen. Björns Roller eierte durch die Kurven, wie er sich ausdrückte. Das Problem war schnell gefunden. Die Hinterradmutter war lose. Da die Vespa hinten eine Kronenmutter besitzt, gesichert durch einen Splint, verlor er das Rad nicht. Glück gehabt! Eine halbe Stunde später ging es weiter. Wie man oben sieht, hatte der starke Regen seine Spuren hinterlassen. Das war vorher ein Sportplatz gewesen, jetzt Freibad.

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Auch hier hatten die Wassermassen gewütet und eine Menge Sand und Dreck über die Straße gespült. Kein Wunder also, dass unsere Ausrüstung an ihre Grenzen geraten war.

Ein paar Ortschaften weiter fuhr ich nichts ahnend voraus. Schnell waren wir nicht, aber wohl doch zu schnell. Ein Kind auf dem Fahrrad fuhr ohne zu bremsen und zu schauen quer über die Straße. Trotz Vollbremsung hätte ich einen Zusammenstoß nicht verhindern können. Das Kind war einfach zu schnell gewesen. Im letzten Augenblick bemerkte es mich aber und riss seinen Lenker rum. Das war unglaubliches Dusel und selten bin ich so haarscharf einem Unfall entkommen. Es fehlten nur Zentimeter zu einem Vollcrash und das mit einem Kind! Ein paar Minuten brauchte ich danach, um weiterfahren zu können. So getroffen hatten mich selbst meine bisherigen Unfälle nicht. Das wäre ganz klar richtig böse ausgegangen für das Kind, was keinerlei Schutzkleidung trug.

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Der Tag neigte sich stark seinem Ende entgegen, als wir auf die berühmten Drei Finger (Chalkidiki) einbogen. Die Aussicht war fantastisch und die Straße machte riesigen Spaß. Wir entschlossen uns wieder in einer Pension in Stratoni zu nächtigen, denn der Himmel sah bedrohlich dunkel aus. Noch eine Regennacht wollte keiner von uns im Zelt überstehen. Außerdem hatte kurz vorher extra ein Auto angehalten, um uns vor drohendem Sturm zu warnen. Soetwas ist mir bisher auch noch nie passiert!

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Nach dem dekadenten Mittagsmahl setzen wir unsere griechische Fressorgie fort. Dem sehr guten Essen konnten wir schwerlich widerstehen. Es gab Pizza, Souvlaki, Zaziki, Pasta, Weißwein, Starkbier und Cola. Die Nacht kostete uns 12,50€ pro Person, das Essen ebenso. Überall in Griechenland waren die Preise seit Beginn der Krise stark gefallen. Jederzeit wurden wir äußerst freundlich und zuvorkommend behandelt und die Landschaft ist zu großen Teilen atemberaubend schön. Wir fühlten uns pudelwohl und Griechenland wird mich definitiv wieder sehen!

Relativ spät legten wir uns schlafen.

 

18. Tag (Die schönste Küstenstraße Südeuropas?)
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Zurückgelegte Strecke: 304km

Kurz nach Sonnenaufgang starteten wir von der Pension. Die Strecke ließ jetzt schon vermuten, was sie im Laufe des Tages noch für uns zu bieten haben sollte.

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Ein traumhafter Morgen mit tollem Weitblick!

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So lohnt sich doch das frühe Aufstehen!

In der nächsten Ortschaft plünderten wir eine Pâtisserie. Das war ein etwas „anderes“ Frühstück, schmeckte aber vorzüglich.

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Kurze Zeit später erreichten wir den 3. Finger (Athos). Es ging hoch hinauf und diese Küstenstraße übertraf sich von Meter zu Meter immer wieder neu.

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Eine kurze Pause legten wir in Pyrgadikia, zwischen dem 3. und 2. Finger (Sithonia), ein. Wir waren gut drauf und fuhren mit traumhaften Wetter weiter.

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Je näher wir nach Thessaloniki kamen, desto mehr Wolken zogen auf. Die traumhaften Aussichten aber blieben.

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Wieder ein skurriles Schild für meine Sammlung. 🙂

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Auch das Hinterland hat seine Reize! Insgesamt kann ich sagen, dass dieses phänomenale Stück Asphalt, die schönste Küstenstraße ist, welche ich kenne. Die Adria Magistrale ist im Ganzen zwar viel länger und zweifelsohne wunderschön, kann aber mit der Intensität dieser Strecke nicht ganz mithalten. Vielleicht liegt es auch daran, wie wenig Verkehr uns begegnete. Fast hätte man meinen können, dieser Fahrspaß war nur für uns vorgesehen.

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Architektur pur! Schon wieder muss ich den Bogen zu unserem unsäglichen Sichtbeton schlagen. Wann schicken wir unsere Architekten endlich wieder auf Reisen, damit sie lernen können. Der Turm ist noch nicht ganz fertig gestellt. Noch wirkt er wir ein Fremdkörper in einer nahezu perfekten Umgebung.

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Nach dem 1. Finger (Kassandra) erwartete uns fast nur noch Flachland. Wir hatten Hunger, kauften in einem kleinen Minimarkt ein, und verzogen uns an einen menschenleeren Strand zur Siesta.

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Thessaloniki ließen wir schnellstens hinter uns. Dort besuchten wir nur kurz einen MediaMarkt. So manches Kabel und so einige Ausrüstungsgegenstände waren mittlerweile auf der Strecke geblieben. Also wurden sie kurzerhand ersetzt.
Am Nachmittag, auf einer Hügelkette blickten wir zurück auf die Großstadt. Zwischendurch hatte es auch kurz getröpfelt, aber noch hatten wir Glück gehabt.

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Leider hielten die Wolken nicht! Auf dem Weg nach Patras lag das Olymp-Massiv, welches wir durchqueren mussten. Die schwarzen Schwaden drängten sich an dessen Hängen und vernebelten unsere Sicht. Nass und kalt schleppten uns unsere Roller bergan bis Ágios Dimítrios. Die Sonne war schon untergegangen und wir froren. So entschlossen wir uns, ein weiteres Mal Fremdbetten zu beziehen. Diesmal im Hotel Dimatis, bei welchem wir vorher einen Preis aushandelten (25€ inkl. Frühstück pro Person). Feilschen konnten wir immer, denn jedes einzelne mal waren wir die einzigen Gäste!
Nach einem ausgiebigen Abendessen mit Grillgemüse, gebratenen Champignons, Pasta mit Wildsau, Lammkeulen mit Pommes, Hähnchenbrust mit Tomatensalat und Schweinesteak mit Bratkartoffeln, konnten wir erholsam in Federbetten nächtigen.

 

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17 Gedanken zu „6. Tagebuch (Wilder Balkan, 5600km, 22Tage, 50ccm, 2015)“

  1. Sehr schön, da kann man richtig mitreisen!

    Zu Maiks Roller: Die Fotos bringen da etwas Klarheit:
    Beim Bremssattel sieht es so aus, als hätte es die Schrauben wirklich herausvibriert. Hier unbedingt die Gewindebohrungen im Sattel vermessen! Es kommt bei diesen Sätteln manchmal vor, dass sich diese aufweiten!

    Die Variomatik hat einfach durch eine lockere Mutter (die Sache mit dem Elektroschlagschrauber …) auf der Kurbelwelle hohl gedreht.

  2. Moin,
    Pannen können immer mal passieren. ABER was mir auf allen Touren auf fällt… es sind immer PR Touren. Touren die immer mit aller Gewalt ein Ziel haben müssen. Kommt dann was da zwischen Reihen sind Pannen an Pannen weil keine Zeit z.B. für die Beschaffung eines Ersatzteil ist bzw. Gesundheit Probleme bereitet. Und dann kommt dabei Stress raus.
    Touren sollen Spaß machen aber nach der Tour sollte man nicht geschlaucht nach Hause kommen…
    Gehe ich jetzt mal zur nächsten Tour. Auf den Strecken wo ihr fahren werdet/ dürft sind Werkstätten noch seltener. Also muss ! der Roller laufen. Und wie du schon erkannt hast muss die ganze Gruppe gleich geschaltet sein. Jede Cafe Pause,Zigarettenpause, Hundefütterung wirft im Minutentakt zurück. Kommt dann noch eine Panne fängst du eine vorherige Touren Planung nicht mehr auf. Und dann wird es wieder ein Rennen gegen die Zeit. Zum Ende der Tour sollte immer noch Luft zum regenerieren bleiben ohne sofort wieder Arbeit zu müssen

  3. Super Bericht. Jede Zeile verschlungen 🙂 Freue mich auf den zweiten Teil.

    Muss Jörg aber zustimmen: Mir persönlich ist dieses gegen die Zeit Gefahre zuwider. Ich fahre ja auch nur kleine Maschinchen um zu entschleunigen und nicht wieder nur Stress haben zu müssen.
    Das fällt in dem Bericht schon auf, dass es oft nach Stress klingt verlorene Zeiten wieder einzuholen. Das wäre nichts für mich. Bei allem Verständnis für den Ehrgeiz das gesetzte Ziel zu erreichen.

    Aber so helfen diese Berichte auch mir. Meine geplanten Touren mit noch viel, viel mehr Zeiten zu planen als ich vorher geplant hatte. Wenn man dann Ziele früher erreicht ist es halt so, Zeit vergeuden ist gemütlicher als Zeit einzuholen.

    Der Bericht ist wie gesagt super, die Bilder fantastisch. Alle Daumen hoch!!!

  4. Das gegen die Zeit zu Fahren ist jedem zuwider. Ich glaube aber dass das falsch rüber kommt. So schlimm wars nicht. Werde über den Bericht noch mal drüberlesen. Eine Frage dazu. Meine Zeitangaben, z.B. wann wir aufgestiegen sind, ist das kontraproduktiv? Nicht dass der Eindruck entsteht, der Tag sei durchgetaktet.

    Wogegen ich mich entschieden wehre ist, dass es PR-Touren sein sollen. Wir fahren ausschließlich für uns und sonst niemanden!

    6 Stunden Fahrt am Tag sind zwar viel aber nicht zu viel. Nur war bisher keiner von uns in größerer Gruppe unterwegs. Es kam eher öfter vor, dass wir 1,5 Stunden Zeit an Tankstellen verquatscht haben. Sowas sollte eigentlich nur selten passieren. Eine Tankstelle ist ja kein lohnendes Ziel. Das sollten wir nächstes Mal abstellen.
    Dazu kam, dass die Pannen sehr geballt auftraten. Irgendwann dort in Rumänien waren wir dann wirklich gestesst. Aber angeschaut hatten wir uns trotzdem einiges und sind nicht nur durchgehechtet.
    Zugeben muss ich, dass es die anstrengenste Tour bisher war. Vor allem wegen der Pannen und der großen Gruppe. Für nächstes Mal müssen wir daraus lernen.
    Jeder war mindestens 3 Tage vor Arbeitsbeginn wieder zu Hause. Ein Ausruhen also möglich. 🙂

  5. Dann ist es ja gut wenn alle entspannt sind 🙂

    Ja die beschriebenen Pannen sind echt Sch……… Dass damit noch mutig weiter gefahren wurde, fand ich schon beachtenswert. Aber auch das hilft anderen und wohl Euch auch für die nächsten Abenteuer: Ersatzschläuche, Bremsbefestigung doppelt sichern usw. Man kann gar nicht so blöd denken wie es kommt.

    Da ich Rumänien zufälligerweise auch kenne, kann ich mir sehr gut vorstellen wie verlassen man mit einem Defekt in der Pampa dort steht. Da Roller dort nicht grad die meistgefahrenen Gefährte sind, kann ich mir denken, wie schwierig es war überhaupt an irgendwas ranzukommen. Dazu die sprachlichen Probleme wo kaum jemand englisch spricht. Das Land ist nicht ganz mit anderen EU Ländern zu vergleichen *ggg* Das macht aber ja auch seinen Reiz aus. Ich wäre mir trotzdem nicht sicher dort mit einem Zweirad hinzufahren, jedenfalls nicht allein. Landschaftlich aber mit nichts zu vergleichen finde ich.

    Beachtenswert finde ich auch, dass die Roller die Anstiege dort überhaupt gepackt haben und die schlechten Wege überstanden. Echt Wahnsinn.

    Na ich warte dann mal auf den nächsten Teil 🙂

    1. Die Anstiege unterscheiden sich nicht von den Alpen, die Transalpina mit max. 23% mal ausgenommen … Somit ist das kein Problem.
      Bei jeder Tour wird mein persönliches Gepäck weniger, dafür habe ich mehr Ersatzteile und Werkzeuge dabei. Aber man kann sich nicht gegen alles absichern. Auch soll es doch noch eine Abenteuertour sein. Leider sind Werkzeuge aber schwerer als Klamotten. Gewichtstechnisch ist das also ein Minusgeschäft. Man muss sehr vorsichtig sein, es mit dem Packgewicht nicht zu übertreiben, denn je höher das Gewicht, desto schneller geht auf schlechten Straßen auch etwas kaputt. So viel zum Lerneffekt. 😉 Das kann auch kontraproduktiv sein.

  6. Salü Bastian. Auch viele Grüsse an Maik, Peter und Björn
    Danke das Du meinen Namen ich Bericht erwähnt hast. Ja, das Jahr 2015 war auch ohne Roller-Tour ein tolles Jahr, denn wie bereits im Bericht erwähnt, hatte ich meine Hochzeit. Auch die letzte Tour 2013 mit Bastian und Björn war fantastisch, obwohl wir uns in Albanien wegen den schlechten Strassen getrennt hatten. Auch ich habe diesen tollen Bericht einfach verschlungen. Warte gespannt auf die Streckenführung ab Bulgarien bis nach Türkei.
    Es tut mir leid, dass ich Euch enttäuscht habe. Ich bin am 15. Sep abgefahren und am Abend in Szarvas, ca. 90 km vor Artand (Grenze zu Rumänien) angekommen, wo ich auch im Freien übernachtet habe. Am nächsten Morgen also am 16. Sep. nach diversen SMS ist mir noch im Kopf geblieben: „Wir sind noch 3 Tage entfernt…“
    Zusammenfassend, wie Du auch festgehalten hast, waren die schlechten Strassen und Pannen sehr ärgerlich. Auch ich bin nicht ohne Probleme die ca. 400 km gefahren. Nach dem überqueren der Donau wurden die Strassen schlechter, denn die vielen LKWs habe im heissen Asphalt tiefe Fahrrinnen hinterlassen. Jedenfalls wollte meine Navi das Fliegen ausprobieren und mein linker Rückspiegel hing dann wie eine Fledermaus am Roller. Dazu kam noch Dein SMS „Wir sind noch 3 Tage entfernt…“ dazu. Nun, ich habe dann schnell festgestellt, dass mein Urlaub mit dieser Verzögerung nicht ausreichen würde, und ich als Deutsch Trainer den neuen Vertrag nicht erfüllen könnte! Dazu kam noch, dass damals über 350 Tausend illegale Immigranten quer durch Ungarn marschierten. Ebenfalls hat mir meine innere Stimme noch vor der Ankunft in Szarvas mitgeteilt, diese Reise wir f ü r m i c h nicht gut ausgehen, was immer dann auch geschehen wäre…? Ich bin zuversichtlich und möchte Euch wieder einmal eine Strecke begleiten.
    Tschüss Michael aus Ungarn

  7. Einfach Geil, Ihr Vier…. Das Jahr dazwischen hat mir richtig was gefehlt.
    Nun warte ich sehnsüchtig auf den 3. Teil, mit weiteren Atemberaubenden Bildern, die in mir die Lust auf Abenteuer wecken.

  8. Salü Bastian und natürlich auch an die Mitfahrer Maik, Peter und Björn

    Auch der 3. Teil des Berichtes hat mir gefallen. Besonders das Fahren im Gebirge in Griechenland mit traumhafter Kulisse. Erinnert mich stark an meine einsame Bosnien Fahrt zu den Pyramiden. Grosse Ähnlichkeit hat es auch mit der Tour 2013, wo ich Euch ein Stück begleitet habe.
    Damals auf dem Rückweg, hatte ich einen Reifenriss, daher habe ich auch ein Mammutstück zurückgelegt… „Den einzigen gefährlichen Zwischenfall habe ich akrobatisch gemeistert. Ich war bei der Ankunft sehr müde und bin sofort ins Bett gekrochen, denn die 808 km an einem Stück, waren auch für mich zu viel des Guten!“
    Nun, Du hast mich mit 841km geschlagen. Ist eine beachtliche Leistung!

    Ebenfalls beneide ich den Benzinverbrauch von nur 2,38 Liter. Meiner liegt zurzeit bei ca. 2,8 Liter bei 60km/h. Am Anfang hatte ich auch so um die 2,3 Liter. Was könnte ich am Motor tun, damit der Verbrauch sinkt? Soll ich die Kolbenringe ersetzten. Mein Tacho zeigt 22‘000 km.
    Wünsche frohe Ostern und schöne regenfreie Touren in 2016.
    Tschüss Michael

  9. Könnte ich wissen welche vario und kupplungen hatten sie in Ihren 50cc roller dass sie,mit dem gepäck beladen,die alpen hochgekommen sind?Welcher vario type?Gewicht der vario-rollen?Serienmässige kupplung oder sport?Ich fahre eine etwas getunte 2015 Suzuki AY Katana.

    1. Ich persönlich fahre eine Dr. Pulley HIT-Kupplung, mit welcher ich sehr zufrieden bin. Gerade beim Anfahren an Steigungen.
      Variomatiken habe ich schon viele ausprobiert. Das gibt sich bei nichts. Selbst mit der Standard-Yamaha komme ich jeden Alpenpass hinauf. Das ist alles kein Drama. Alpenpässe sind fast alle auf maximal 16% Steigung ausgelegt. Das schafft serienmäßig fast jeder Roller. Die Mittelgebirge haben oft knackigere Steigungen.

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